Von Cornelia Rother, 2009

1462

Domenico di Piacenza (italienischer Tanzmeister und Tanztheoretiker) verfasst die erste uns bekannte schriftliche Abhandlung über Tanztechnik mit dem Titel. „Von der Kunst, zu springen und einen Chor zu leiten“.

1581

Am 15. Oktober wird das „Ballet comique de la reine“ des italienischen Choreografen Balthasar de Beaujoyeulx, im Pariser Louvre uraufgeführt. Es ist das älteste Ballett dessen Partitur erhalten blieb und gilt heute als das erste große Hofballett.
Beaujoyeulx choreografierte eine fünfstündige Geschichte (die Aufführung dauerte von 10 Uhr abends bis 3 Uhr morgens) über die Zauberin Kirke, eine Figur aus der griechischen Mythologie. Komponist: Lambert de Beaulieu, Texte: Jacques Patin, Tänzer: die französische Königin Louise de Lorraine-Vaudémont und Mitglieder ihres Hofstaats.

1650 (cirka)

der Tänzer, Violinist, Komponist und Choreograf Pierre Beauchamps wird Tanzlehrer am Hofe König Ludwig XIV und unterrichtet auch den König selbst. Beauchamps gilt als der Erfinder der 5 Grundpostionen des klassischen Balletts, die in leicht abgeänderten Form bis heute noch gelehrt werden.

1653

tanzt der französische König Ludwig XIV. den „Sonnengott“ Apollo im Ballett „Le ballet royal de la nuit“. Angeblich behielt der König deshalb fortan den Spitznamen „Sonnenkönig“.

1661

Ludwig XIV. Gründet in Paris die erste Ballettschule der Welt, die „Academie royale de danse“. Damit trennt sich der Tanz vom höfischen Zeremoniell und wird fortan zunehmend von Berufstänzern ausgeführt. Anfang des 18. Jh werden begabte Mädchen und Jungen aus armen Familien in die Schule aufgenommen und kostenlos zu Tänzern ausgebildet. Dies war ein einschneidender Schritt in der Ballettgeschichte, da das Tanzen zuvor ausschließlich Adeligen vorbehalten war.

1681

Jean Baptiste Lully

Ab jetzt dürfen auch Frauen öffentlich tanzen. In Jean Baptiste Lullys „Le triomphe de l'amour“ traten erstmals 2 Ballerinas auf.

1727

Marie Camargo um 1730, Gemälde von Nicolas Lancret

Das traditionelle Tanzkostüm besteht aus einem knöchellangen, opulenten Rock über einem Reifrock und Schuhen mit Absätzen. Die Tänzerin Marie Camargo wagte es erstmals ihr Kostüm um einige Zentimeter zu kürzen und Schuhe ohne Absätze zu tragen. Damit erweitert sie die technischen Möglichkeiten für das Ballett. Camargo erreichte beim „Entrechat quatre“, einen Sprung in die fünfte Position, bei dem der Tänzer die gestreckten Beine mehrfach schnell hintereinander kreuzt eine bis dahin nicht gekannte Sprunghöhe.

1760

Jean Georges Noverre

Jean Georges Noverre veröffentlicht seine Briefe über die Tanzkunst und das Ballett. Er glaubt, dass man ein Drama mit den Mitteln des Tanzes gestalten könne. Das Drama galt als höchste dichterische Gattung und wertete den Tanz erheblich auf. Die ersten Handlungsballette werden entwickelt. Zuvor waren die Tänze nur durch ein gemeinsames Motiv, nicht aber durch eine durchgängige Handlung verbunden.

1789

Théodore Dauberval, Ballerina entwikelte die Rolle der "Lise" im Ballett "La Fille mal gardée", Gemälde um 1789

Das Reformballett „La Fille mal gardée“ von Jean Dauberval ist das älteste bis heute im Repertoire gebliebene Stück. Es verzichtete auf klassische Figuren wie Satyrn oder andere mythologische Wesen und beschreibt einen schlichten zwischenmenschlichen Konflikt.

1800 (nach)

Nonnenballett aus der Oper Robert der Teufel (1831) von Meyerbeer, 1876. Die Grand opéra präsentierte revolutionäre Bühneneffekte, hier eine neuartige Beleuchtung. Gemälde von Edgar Degas

enthielt die neu entstehende Gattung der "Grand opéra" jeweils ein ausgedehntes Ballett. Bis in die 1920er Jahre hinein gehörte sie weltweit zum Opernrepertoire. In diesem Rahmen entwickelten sich neuartige Tanztechniken und Bühnenausstattungen.

1832

Marie Taglioni als Flore im Ballett Zephire, Colorierte Litographie um 1831

Mit der Choreographie von August Bournonvilles des Balletts „La Sylphide“ beginnt die Zeit des romantischen Balletts. Die Tänzerin Marie Taglioni tritt hier zum ersten mal in einem Tutu auf. Die Sprünge werden nun noch höher und die Zuschauer sehen die Fuß- und Beinarbeit. Dies gilt im 19. Jahrhundert zunächst noch als höchst unmoralisch. Aber der Tüllrock setzt sich durch und wird zum gebräuchlichsten Kostüm einer Ballerina. Der Spitzentanz wird ebenfalls zu dieser Zeit erfunden und Maria Taglioni gilt als erste Meisterin in dieser Kunst.

1841

Carlotta Crisi

komponiert Jules Perrot für seine Lebensgefährtin, die Tänzerin Carlotta Grisi, das Ballett Giselle. Die erste Primaballerina wird geboren und avanciert ähnlich der Primadonna in der Oper zum Star der Kulturwelt. Weitere Stars des romantischen Balletts: Marie Taglioni, Fanny Elssler, Fanny Cerrito, Emma Livry.

1850 (ab)

Anna Pawlowa 1910

In Russland erlebt das Ballett eine Blütezeit. Unter der Leitung von Marius Petipa entstehen klassische Meisterwerke wie Schwanensee, Dornröschen und Der Nussknacker. Aus dieser Schule geht die wohl bekannteste Ballerina Anna Pawlowa hervor.

1900 (vor)

Isadora Duncan 1878 bis 1927, Foto Arnold Gente

Aus dem Ausdruckstanz, der sich in den USA verbreitet, entstehen Bestrebungen das Ballett zu erneuern oder zu überwinden. Durch Tanzdarbietungen, die z.B. Isadora Duncan auf ihren weltweiten Tourneen präsentiert, werden zahlreiche Ballettkonventionen angegriffen und abgeschafft. Es entwickeln sich neue Darstellungsformen, zum Beispiel in den Choreografien von Rudolf von Laban.

1900 (um)

Martha Graham 1948

unter dem Begriff „zeitgenössischer Tanz“ entwickelt sich eine Annäherung des Balletts an die übrigen Künste und an den populären Bühnentanz oder die Pantomime. Als Begründer gelten u.a. Mary Wigman, Martha Graham, Gret Palucca.
Kurt Jooss und seine Schülerin Pina Bausch sind die bekanntesten Wegbereiter des Tanztheaters, welches sich strikt gegen Balletttraditionen stellt.

1909

Ballets Russes Szene aus Apollon musagète, 1928. Tänzer: Serge Lifar, Danilova, Chernysheva, Dubrovska, Petrova.

Die Gründung der Ballets Russes durch den Impresario Sergei Djagilew führt zu einer Renaissance des Balletts in den USA und Europa. Das Ensemble stammt aus Sankt Petersburg und feiert sensationelle Erfolge in Paris. Das Ballett des 20. Jh. ist vor allem durch sowjetische Tänzer geprägt, die ins westliche Exil gingen, u.a. Michel Fokine, Vaslav Nijinsky und George Balanchine.

1933

George Balanchine Arbeit mit Tänzern

George Balanchine gründet die Kompanie Les Ballets. Balanchine gilt als einer der Begründer des „neoklassischen Balletts“. Während sich das klassische Ballett in Osteuropa in seiner traditionellen Formen halten konnte, verlor es im Westen auf Grund der vielen Erneuerungsversuche an Bedeutung. Seit den 1930er-Jahren gab es daher Bestrebungen, die klassischen Balletttraditionen zu erhalten, die unter dem Begriff des Neoklassizismus zusammengefasst werden.

1934 bis 1941

Agrippina Jakowlewna Waganowa Begründerin der Waganowa-Methode, ca. 1910

Agrippina Jakovlevna Vaganova (russische Balletttänzerin und -pädagogin) leitet die führende Sankt Petersburger Ballettschule. Sie entwickelt ein theoretisches Unterrichtssystem die „Waganowa-Methode“, die bis heute weltweit Grundlage für die Ausbildung von Tänzerinnen und Tänzern im klassischen Ballett ist.

1950 (ab)

ist das klassische Repertoireballett der russischen Tradition auch auf westeuropäischen Bühnen heimisch geworden und bildet den Gegenpol zum modernen Tanztheater. Die Choreografien zeigen sich allerdings in immer neuen Varianten.

Quelle

Zusammenstellung aus verschieden Einträgen bei www.wikipedia.de