Zum zweiten Todestag von Mokarrameh Ghanbari - der großen, persischen Malerin
Mittwoch, 5. Dezember 2007, von ElhamRaks

Mokarrameh Ghanbari Photo: www.Mokarrameh.com

Es ist Freitag der 2. November 2007. Es herrscht Hochbetrieb in Darikandeh, einem kaum bekannten Dorf in der Nähe von Babol, in der persischen Provinz Mazandaran am Kaspischen Meer. Gäste aus Teheran und anderen Städten, bedeutende Kunstexperten, Verwandte, Bekannte und Dorfbewohner sind gekommen, um den zweiten Todestag von „Mokarrameh Ghanbari“, die viel zu spät entdeckte großartige Malerin, gebührend zu begehen.

Überall sieht man Kinder und Erwachsene eifrig malen und experimentieren. Das Dorf hat kostenlos Papier, Stifte und Farbe zur Verfügung gestellt, um diesen Gedenktag „bunter“ zu machen. Die vierzig Mitglieder der Künstlergruppe „Hajme Sabz“, aus Shahi (Qaem Shar) in Mazandaran, malen den Weg vom Rande des Dorfes zum Haus der Künstlerin. Das „Mokarrameh's“ Haus, welches erst kürzlich zum Museum wurde. Die Zeichnungen und Bilder der Gäste werden an einer Art „Wäscheleine“ befestigt, die den Weg zum Haus schmückt.



Malerei von Mokarrameh Ghanbari Photo: www.Mokarrameh.com

Mokarrameh Ghanbari, wurde 1928 in Darikandeh geboren. Sie war noch ein Kind als ihre Mutter starb. Klein und zierlich, fing sie an zu arbeiten um ihren drogenabhängigen und arbeitslosen Vater und ihre Geschwister ernähren zu können. Sie hatte nie Gelegenheit eine Schule zu besuchen und Lesen und Schreiben zu lernen.
Damals herrschte noch Feudalismus im Iran. Mit 14 wurde sie mit einem 53 jährigen Mann vermählt; dem Dorfvorsteher Mammad Agha, der bereits 2 anderen Frauen und 12 Kinder hatte.

Mokarrameh gebar ihrem Mann 9 Kinder. Als „dritte“ Frau hatte sie ein hartes und unglückliches Leben. Nicht nur, dass sie von den anderen beiden Ehefrauen schikaniert wurde, ihr Anteil am Vermögen ihres Mannes war so gering, dass sie, um ihre Kinder zu ernähren, die Bräute des Dorfes für die Hochzeit schminken musste und arbeitete gelegentlich als Hebamme.

Erst im Alter von 63 Jahren entdeckte sie die Malerei für sich. Für Mokarrameh ein Weg ihren Kummer und ihre unerfüllten Hoffnungen zum Ausdruck zu bringen. Der Beginn ihrer künstlerischen Karriere war sehr persönlich und für die Welt unscheinbar: wegen gesundheitlicher Probleme war es ihr nicht mehr möglich ihr Vieh täglich auf die Weide zu treiben. Kurzerhand verkauften ihre Kinder die Kuh. Der Verlust des Tieres rührte sie tief. So entstand ihr erstes Werk; sie malte mit Lehm und Dung eine Kuh auf einen Stein.

Photo: www.Mokarrameh.com

Befreit von der Wut und dem Frust, malte Mokarrameh weiter - ihre Träume und ihre Albträume. Zunächst bediente sie sich der Materialien, die die Natur ihr bot. Sie mischte pflanzliche Farben aus Walnussschalen, Granatapfelschalen, Himbeersaft, und malte auf Kürbissen, auf Hauswände und Zäune ... auf dem häuslichen Kühlschrank, auf dem Herd. Ihr Sohn Janali, selber Maler und Musiker, war der erste der ihr Genie entdeckte und besorgte ihr Papier und Stifte. Doch bald waren die Papiere aufgebraucht und wieder malte sie an den Wänden ihres Hauses.

In ihrem Werk verarbeitete Mokarrameh ihre schwere, freudlose Kindheit und ihre unglückliche Ehe. Ob Vater oder Ehemann, die Männer in ihrem Leben waren böse. Das kommt in ihren Bilder zum Ausdruck, indem Männer böse Charaktere, wütende Blicke und angsterregende Gesichter haben. Den Frauen gab sie im Gegenteil schöne, zärtliche und sinnliche Gesichter.

Mokarrameh Ghanbari Photo: www.Mokarrameh.com

Die Dorfbewohner lachten sie zunächst aus und hielten sie für verrückt: „Malen ist doch was für kleine Kinder und nicht für eine gläubige alte Frau“ hieß es. Mokarrameh ließ sich von diesen Urteilen nicht abhalten, malte weiter und versteckte Papiere und Farbe sobald jemand an der Haustür läutete.

Erst nachdem eine Galeristin aus Teheran mehrere Ausstellungen ihrer Bilder in der Hauptstadt organisierte, wurde sie von den Nachbarn ernst genommen und respektiert. Ihre Bilder wurden erstmals 1995 in der Kunstgalerie „Seyhoun“ Teheran ausgestellt. Es folgten weitere Ausstellungen 1996, 1997, 1998 und 2001. Die „verrückte Frau“ aus dem Dorf wurde plötzlich berühmt. Sie gewann den speziellen Preis der Jury beim „Roshd Film-Festival“ und einen Preis des „Kunstliteratur Dorffestivals“. 2001 wurde sie nach Stockholm eingeladen und als Malerin des Jahres ausgezeichnet. In Schweden verglich man Mokarrameh´s Werk mit dem von Chagall.
2004 stellte sie ihr Werk in Kalifornien aus.

Während ihrer Schwedenreise besuchte sie eine christliche Kirche. Beeindruckt von dem dortigen Bildnis der Maria, malte sie ebenfalls eine „heilige Maria“. Die Kirche war derart beeindruckt, dass sie der Künstlerin das Bild sofort abkaufte. Noch heute ist es in der Kirche zu sehen. Mit dem Geld aus Schweden konnte Mokarrameh es sich leisten ihr Haus in eine schöne Kunstgalerie umzuwandeln und darüber hinaus dem Dorf Geld zu spenden um die Dorfstraße teeren zu lassen.

Malerei von Mokarrameh Ghanbari Photo: www.Mokarrameh.com

Mokarrameh Ghanbari, die große Dame der Malerei, starb am 24 Oktober 2005 nach einem Gehirnschlag. Sie wurde im Hof vor ihrem Haus zur letzten Ruhe gebettet.

"Mokarrameh - Träume und Erinnerungen" ist ein Dokumentarfilm von dem bekannten iranischen Direktor, Ebrahim Mokhtari. Der Film beschäftigt sich mit dem Leben und Werk der Malerin, und wurde an einigen internationalen Festivals präsentiert.

Nach einer Ausstellung ihrer Bilder in Kalifornien 2004, zeigte die „Fox Film Corporation“ Interesse, einen Film über ihr Leben zu drehen. Der Film wird von dem in Kalifornien lebenden, iranischen Regisseur „Essy Niknejad“, mit Meryl Streep in der Hauptrolle gedreht.

Weitere ausführliche Informationen finden Sie unter: http://en.wikipedia.org/wiki/Mokarrameh_Ghanbari

Quellen

1- http://www.bbc.co.uk/persian/arts/story/2007/11/071115_of_so_mokarameh.shtml
2- http://www.mokarrameh.com
3- http://www.tehranavenue.com/article.php?id=568
4- http://persian.kargah.com/archives/006016.php
5- http://www.ketabnews.com/detail-5563-fa-21.html
6- http://www.payvand.com/news/06/may/1006.html
7-http://www.caroun.com/Painting/IranPainting/MokarramehGhanbari/MokarramehGhanbari.html
8- http://www.mebb.de/notes/2006/10/27/mokarrameh/
9- http://www.payvand.com/news/06/feb/1204.html