aus Liebe zur heiligen Schrift und Poesie

Mittwoch, 29. August 2007, von ElhamRaks

Statue des Rudaki (859-941) in Tajikstan Rudaki gilt als der erste Dichter des Dari. Er machte für seine Dichtung von bestimmten Reimen Gebrauch, die als „Dari-Reimordnung“ in die Geschichte eingegangen ist.

Es ist fast unmöglich über die persische Kalligrafie zu schreiben, ohne die Entwicklung der modernen persischen Sprache und den Einfluss der arabischen Sprache auf das Persische zu betrachten.
Die persische Sprache ist der wichtigste Zweig der indogermanischen Sprachfamilie in Südwest-Asien. Nach der Invasion der Araber im 7. Jh. n. Chr. war zunächst Arabisch über zwei Jahrhunderte die Amtssprache in Persien. Die Wurzeln der modernen persischen Sprache aber, das „Darbari“ („Sprache des königlichen Hofes“, Abk."Dari"), lassen sich rund 1200 Jahre zurückverfolgen. Sie entwickelte sich als Schriftsprache im 9. Jh. n. Chr. aus dem Mittelpersischen in den kulturellen Zentren der persischen Samaniden in Zentralasien. Von dort aus verbreitete sie sich in ganz Persien.

Das Neupersisch bedient sich, im Gegensatz zum Parsi-e Pahlavi („Mittelpersisch“), der syrisch-aramäischen (arabischen) Schrift und beinhaltet viele arabische Wörter und Fachbegriffe. Umgekehrt hat auch das Arabische zahlreiche Wörter aus dem Persischen entlehnt. Außerdem sind viele persische Worte als Leihwörter durch persische Vorherrschaft, insbesondere durch die persischsprachige Mogulherrschaft, nach Indien gelangt. Auch Turksprachen, vor allem die alte osmanische Sprache, bedienen sich persischer Leihwörter.
Etliche persische Worte wurden auch in europäische Sprachen übernommen. Im Deutschen kennt man unter anderem die Wörter „Basar“ (bazaar), „Scheck“, „Karawane“, „Pistazie“, „Schach“, „Paradies“, „Schal“ und „Magier“. (siehe dazu auch den Artikel: „Tasse, Tulpe und Spinat")

Ferdowsi's Grabmal in Tus - Iran

Als Meisterwerk des Parsi-e Dari und Vorbild für die persische Poesie gilt bis heute das Buch „Schahname“ (was soviel heißt wie „Buch der Könige“) des Dichters Abu l-Qasem-e Ferdowsi. Ferdowsi arbeitete 35 Jahre an diesem Werk, das kein einziges Fremdwort enthält. Er ist der erste Dichter nach der Eroberung durch den Islam der die persische Poesie vom Arabischen befreit hat. Ferdousis „Schahname“ gilt nach wie vor als Basis für das persische Nationalbewustsein im Iran.
Die Schreibkunst hat in den islamischen Gesellschaften eine unmittelbare Beziehung zum göttlichen Wort, weswegen sie auch so wichtig ist wie in keiner anderen Kultur der Welt.
Der Koran wurde dem Propheten Mohammad in arabischer Sprache übergeben. Die Verse wurden zu Anfang nur von Mund zu Mund weitergegeben und erst nach dem Tod des Propheten in einem Buch (auf Arabisch) zusammen gefasst. Arabisch ist die Sprache des Islams und des Korans. Die täglichen Gebete müssen auf Arabisch gehalten werden und das Studium des Koran ist bis heute ebenfalls nur auf Arabisch von Bedeutung.

Kalligrafieunterricht für den jungen Prinz- Bild von Sanju aus einer illustrierten Ausgabe von Akhlagh e Nasseri-Ref. 5

Der Islam verbietet die bildliche Darstellung des menschlichen oder das göttlichen Antlitz. So entwickelte sich die Kalligrafie als Schmuck in den Moscheen zu Ehren Allahs. Anfangs wurden die Entwürfe in Mosaiken oder Malerei reproduziert, in Stein gehauen, in Stuck geschnitten, auf Keramikplatten angeordnet, in Holz geschnitzt, in Kupfer oder Bronze graviert oder in Seide gewoben.

Lokale Schriftarten standen schon in der vor islamischen Zeit vor allem in Hidjaz:
Anbari: nach der Oase Anbar
Hiri: nach Hirah
Makki: nach Mekka
Madani: nach Medina

Das erste Beispiel epigraphischen Schmucks wurde 685-691 am Felsendom (qubbat as-sachra- Jerusalem) ausgeführt, das zweite an der Moschee der Medina (705-709). In seinem Fihrist erwähnt An-Nadim im 1. islamischen Jahrhundert (8. Jh. n. Chr.) „Halid ibn Abu's-Sayyag“ als den ersten Kalligraf.

Tintenfass, Ostiran, um 1160-1180, Bronze, Kupfer-und Silbertauschierung. Ham (Surrey), Keir Collection-Islam Kunst und Architektur Könemann, 2000, Köln

In Mekka und Medina entwickelten sich drei Haupt-Schriftstile:
Mudawwar: Gerundete Schrift
Muthallath: Triangulierte Schrift
Ti´m: Zwillingsform, eine Kombination der beiden ersten Formen

Diese drei Schriftstile führten schließlich zu den zwei kalligraphischen Richtungen:
Muqawwar wa Mudawwar (geschwungen und gedreht)
Mabsut wa Mustaqim (Winklige Schrift, lang gestreckt und gerade)

Aus den oben genannten gegensätzlichen Stilen entwickelten sich später in Hidjaz:
Ma´il:, schräg, geneigt, wurde später durch das monumentale Kufi ersetzt
Maschq: ausgedehnt, gestreckt.
Naskh: eine Kombination ins Kursive

Thuluth und Kufi auf dem Kuppeldach der Chaharbagh Schule Isfahan von Iran a visual Journey- Yassavoli Publications Teheran

Als diese drei Stile im Hidschaz entwickelt und gebräuchlich wurden, entstand in Kufa das Kufi, das sich aus Hiri entwickelte (8. christlichen Jahrhundert).
Kufi wurde über Jahrhunderte als die einzige Koranschrift verwendet und erst gegen Ende des 13. christlichen Jahrhunderts verwandelte sie sich in eine nur dekorative, monumentale Schrift zu deren Haptformen gehören:
Muragga: floraler Stil mit Blattwerk
Muhammal: auf einem Hintergrung von Rankenornamenten
Muzaffar: mit sich verflechtenden Aufstrichen
Handasi: geometrische Buchstaben





Aghlam al setta

Naskh: (9. Jahrhundert) Zügig geschriebene praktische Kursive. Weniger schlank als Thuluth. Senkrechte ohne hakenförmigen Ansatz, aber oben verdickt, nach unten nachlassender Druck, dadurch unterschiedliche Breite der Vertikalen.

Thuluth, Thulthi:
Wörtl. ein Proportionsverhältnis: 1/3. Monumentale Schrift. Senkrechte mit hakenförmigem Ansatz. Monumentale Kursive, zu Dekorationszwecken verwendet. Oft für Buchtitel oder Inhalte verendet.

Muhaqqaq: Feiner, eleganter Stil, merkliche Abrundung der eckigen Buchstaben. Betonte Vertikalen, tief in die Unterlinie reichende, unter die nächsten Buchstaben gezogene schmale Bogen. Schriftzug leicht nach vorn geneigt, Bogen der Unterlinie verbinden die Wörter. Diese Schrift wurde über vier Jahrhunderte vor allem in Ägypten, im Iran und im Irak verwendet um große Koranen zu schreiben.

Raihani:
Zierliche und sehr elegante Schriftart mit Gemeinsamkeiten mit Thuluth und Muhaqqaq. Diese Schrift wurde von Ali Ibn Abidellah Alraihani (9. Jahrhundert) aus Naskh geschaffen.

Ruq'a: Eher eine Schrift für den persönlichen Schriftverkehr. Volle runde Ausläufe der Endbuchstaben, gedrängter Schriftzug, lückenloses, von Rundungen durchzogenes Schriftbild. Blütezeit unter den Osmanen 1300-1789, danach einfache Volksschrift, heute "Handschrift".

Tawqi`, Tawaqi`:
Stil der Abbassidenkhalife (während der Herrschaft von Ma'moon geschaffen) beim Unterschreiben amtlicher Dokumente. Ähnlichkeiten mit Thuluth und Ruq'a, aber schwerfälligere Hasten als ersteres und schwächere Rundungen als letzteres.


Persische Schriftarten

Ta`liq: (Hängen) ist eine poetische Schrift und wurde kaum für religiöse Zwecke verwendet. Nach Ansicht einiger Autoren entwickelte sich Ta'liq aus Piramuz (einer Schrift aus der Sassaniden Dynastie), die bis ins 9. Jh. in Gebrauch war.

Nasta`liq:
Luftige, schwebende Schrift, eine Kombination aus Naskh und Ta'liq, starke Dynamik des Striches, oft unter Federwechsel geschrieben (Feder mit zwei verschieden breiten Enden im Wechsel benutzt). Diese Schriftart wurde am 15. Jahrhunderts von Mir Ali Sultan Tabrisi geschaffen. Nasta'liq ist soeben eine poetische Schrift und es gibt nur zwei Koranen die komplett in Nast'aliq geschrieben wurden.

Schekasta: "gebrochen", Kompliziert und schwer lesbar. Wurde im 17. Jahrhundert für offizielle Briefe und Dokumente geschaffen. Künstlerischer Schwerpunkt ist nicht mehr der Buchstabe selbst, sondern seine Verbindungsmöglichkeit zum nächsten. Individuelle Buchstaben sind nicht länger Sinn- und Schönheitsträger dieser Schrift.

Schekasta-amiz:
Ornamentaler Bruder der Schikasta, größer und weniger kompakt, wird gewöhnlich auf illuminiertes oder gefärbtes Papier geschrieben, in Kanzleien und Büros in offizieller Mission verwendet.

Behari, Bihari: wurde im 14. Jh. in Indien geschaffen. Weite, schwergewichtige Horizontalen, dünne und feine Vertikalen. Obwohl offensichtlich kursiv, starke Ähnlichkeit mit einer Wiederbelebung des Kufi im Herat des 14. Jh. (Herati-Kufi), häufig farbige Tinten

Siyaqat: Osmanische Schrift, beeinflußt von dem Herati-Kufi, funktionale Schrift für die Verwendung in Büros. Relativ winklig, gerade und schwerfällige Linien.


Quellen

Quellenangaben:
1- The Iranian Language Family by: Khodadad Rezakhani
2- http://de.wikipedia.org/wiki/Persische_Sprache
3- The Circle of Ancient Iranian Studies, Articles on Ancient Iranian Languages & Literature
4- Islamische Kunst, Verlag Herder, Freiburg 1977
5- Yasin Hamid Safadi, Islamic Calligraphy, persische Übersetzung bei M. Shayestefar, Institute of islamic art studies press,Teheran, 1381
6- Saeed Faiz Ibrahim Alsaeed, Hezarata Alketaba,Abdullah Ibn Mohammad Alhanif, Riad
7- Afif al Bahnasi, Fan Al Khatt Alarabia, Damaskus
8- Gabriele Mandel, Gemalte Gottesworte das arabische Alphabet, Marix Verlag