Von Cornelia Rother 2006

Reisetagebuch 17.09.2006

Die Gesichter der Statuen und Relieffiguren sind schön, sehr fein, fast sinnlich in ihren kolossalen Ausmaßen ... das Meer der Hieroglyphen macht stumm … die Säulenhalle des Karnak Tempel gebietet Ehrfurcht … und trotz den Mengen an Touristen und Führern kann man fast glauben das alle flüstern.
Der heilige See … hier reinigte sich der Pharao bevor er das Allerheiligste betrat … wollte eine Frau schwanger werden musste sie sieben mal um die nahe Skarabäus Statue laufen … im tschechischen Marienbad tranken die Frauen aus einer speziellen Quelle … die Legenden verknüpfen sich in meinem Kopf.
Hatschepsut wollte die zwei Obelisken aus purem Gold fertigen … sie wählte dann doch Granit, aber erstmals aus einem Stück ... stumm, starre ich die „alten Steine“ an ... ich würde gerne mit der Pharaonin über das Leben sprechen.
Die aus Gold und Silber verkleidete Spitze begrüßte den Sonnegott Re jeden Morgen auf´s Neue … so konnte er über den Obelisk auf die Erde niedersteigen, sich mit dem städtischen Hauptgott vereinen und seine Strahlen über den Tempelbezirk – das Land – die Welt - verteilen.
Habe wie Millionen andere auch den Skarabäus im Heiligtum der Hatschepsut berührt … ewiges Glück für uns alle … Illusionen beruhigen … wir haben sehr wenige hier in unserer Moderne.
An Bord in der Kabine: Schlürfe an einem eisgekühlten Drink und beobachte dösend aus halb geschlossenen Liedern das Nilufer … fast schon Kolonialherrin … trotz Klimaanlage, es ist heiß!
Dieses Schiff … schätze die Engländer haben es vergessen … komme mir vor wie in ein Bonbon gewickelt.
Fatí – unser Reiseführer - bittet um lange Hosen in der Moschee … eine Christin feilscht um die Länge, fragt ob auch dreiviertel Hosenbeine in Ordnung sind … auch der Vatikan bevorzugt lange Hosen.
Die Wüste wagt sich bereits weit vor, ans Ufer, sie hat schon ihre Fingerspitzen ausgestreckt ... Seth grüßt uns grausam. Die Sandsteinberge gleißen in der Sonne und die grünen Sykomoren wirken wie in einen Grauschleicher gehüllt. Ich erinnere mich an die Aufzeichnungen von Flaubert …
2 ägyptische Stunden dauern in Deutschland 15 Minuten … wer hat das gesagt … und warum?
Immer wenn die Priester die Macht übernahmen, die Herrscherfamilien kraftlos waren, versank Ägypten im Chaos … das war von Anbeginn so … und endete scheinbar nicht mit dem Christentum und dem Islam?!
Auf dem Oberdeck. Kaffee und salziges Blätterteiggebäck. Über meine Schläfen perlt Schweiß. Ich schnipse ihn mit den Fingerkuppen weg wie eine lästige Fliege.
Die Sonne, Re „Herr aus tausend Flammen“ taucht mit seiner Sonnenbarke in das Totenreich. Zum Abschied züngeln seine Strahlen durch die Palmwedel. Wir können ruhig schlafen - Isis, Schutzgöttin und Maat, Göttin der Wahrheit und Gerechtigkeit sind bei ihm. Re wird wieder aufgehen …
Die Muezzin rufen zum Gebet … aus den Minaretten ertönen blecherne Laute.
Die Schleuse von Esna … Händler werfen mit lautem Geschrei ihre Waren über die Reeling.
Mitternacht, wir haben noch ein Soupé in der Kabine ...


Reisetagebuch 18.09.2006

Gleichmäßig sind die Atemzüge des Schlafenden an meiner Seite ... Der Nil fließt langsam an uns vorbei … in seinen Wassern spüre ich das Ewige.
Heute hatte ich Dattelkuchen zum Nachtisch … was für eine Süßigkeit!
In den Tempelmauern umfängt uns Hitze … kein kühler Ort der Ruhe … ich stehle mit den anderen Touristen den Göttern ihren Platz … wir besausen das Heiligtum … vergessen im Blitzlichtgewitter das Sakrale … keine Zeit innezu halten. In den Gräbern ist es so heiß, dass die 40 Grad außerhalb der Felsen Frische spenden ... eine Ahnung vielleicht was Wüste bedeutet … eine Ahnung wie grausam Seth strafte … eine Ahnung wie sehr die Ägypter Osiris anbeteten der das Leben schenkte, Fruchtbarkeit brachte … Die Ägypter glaubten das Böse und das Gute gehören zusammen bis ans Ende der Welt, der Menschheit. Erst dann löst sich das Böse im Guten auf. Das glauben die Muslime auch, sagt Fatí; und die Christen, sage ich.
Ich habe 80 Euro in 560 ägyptische Pfund gewechselt um mir allerlei Tand zu kaufen: Münzgürtel, Tücher und Parfüm … das ist die offizielle Armutsgrenze in Ägypten ... so leben 82% der Bevölkerung. 150 Euro braucht man hier um eine Wohnung mit Strom und fließend Wasser zu unterhalten … und täglich etwas zu essen zu haben … An den Straßenrändern, in regelmäßigen Abständen, Wasserkrüge für die Reisenden … sie stehen da, so scheint es, seit Jahrtausenden …
Aus dem Busfenster blicke ich auf die staubigen Bahngleise … sie gleißen im Tageslicht … dahinter ein paar Gräber … schmucklos, unscheinbar, wahllos … heute wird der Tote nicht mehr für eine Millionen Jahre vorbereitet.
Edfu wirkt wie zerfallen … in ruinösen Häusern sitzen Männer in langen Gewändern und verkaufen alles was hier zu verkaufen ist.
In der Einkaufstraße stehen junge verschleierte Frauen auf dem Bürgersteig vor alten Kopiergeräten und warten geduldig auf Kundschaft … „Copy-Shop“ ganz anders.
Wir sind ständig von einer Polizeieskorte umgeben … Maschinengewehre im Bus, zu Fuß, überall … hier wird jeder gegen jeden geschützt …
Auf dem Oberdeck: Eine prächtige Aussicht auf den Tempel von Kom Ombo. Kinder balgen sorglos am Ufer … sie rufen fröhlich wenn wir vorbei gleiten … ich fühle mich gleichzeitig magisch angezogen und abgestoßen … Ägypten hält mein Herz umschlungen….
Die Dunkelheit hüllt uns ein … schläfrig zieht die beleuchtete Uferstraße an uns vorbei … Weit vorne die Brücke von Esna. Die Lichter tanzen im Nil … es scheint als würde sie in Flammen stehen.


Reisetagebuch 19.09.2006

6 Uhr in Assuan angelegt … wir wachen mit Motorengeräuschen auf und blicken auf die Bordwand der „Santorin“ … Re kann uns nicht begrüßen – ein seltsames Zwielicht in der Schiffskabine – nur mühsam werden wir wach.
Händler am Pier verkaufen alles für 1 Euro, Holzinstrumente, Bauwollhemden, Lesezeichen aus Bananenblätter, allerhand Tand … schrilles, buntes Treiben … eine schnatternde Eskorte zum Bus.
Hatschepsut´s unvollendeten Obelisken gesehen … angeblich hat sie ihn in Auftrag gegeben … seit 3.456 Jahren liegt dieser Monolith nun schon im Steinbruch … die Stadt hat ihn ganz umzingelt … wie lange wird er noch durchhalten?
Auf dem Weg mich frisch zu machen ... eine Deutsche läuft meckernd neben mir her ... Sie sei nicht bereit 1 Euro zu zahlen für die Toilette … wir kämpfen uns durch eine Gasse fliegender Händler, alles 1 Euro … sie geht nicht zur Toilette, wenn das wirklich 1 Euro kostet, ob ich wechseln könnte, 50 Cents sind schon zuviel … nur noch 50m bis zum Ziel, arbeite mich durch den bunten Nippes auf der Flucht vor der Deutschen … also das zahle sie auch nicht in Deutschland, und hier ist das eine Unverschämtheit … gieriges Geschrei: Claudia, Heidi, Madam alles 1 Euro … sie wiederholt unentwegt, sie gäbe keinen Euro für die Toilette aus … ich bleibe abrupt stehen „es ist mir scheißegal ob sie pinkeln oder nicht!“
Assuan ist staubig … jede Stadt, die ich gesehen habe ist staubig … man erkennt den Staub auch vom Schiff aus ... auch hier halb zerfallene Häuser.
Danach den Tempel von Philae … sie alle haben den gleichen Grundaufbau: Großes Eingangstor, Tempelhof, Säulenhalle, Allerheiligstes … wir haben die Handflächen auf den Isis-Opferstein im Allerheiligsten gelegt … ein Leben lang Glück, Zufriedenheit und Liebe.
Ein wunderbares Relief … Isis sitzt auf ihrem Thron und hält ihren Sohn, den kleinen Horus, auf dem Schoß … das Bildnis der Jungfrau Maria mit Jesus sieht genauso aus … Isis hat Horus von Osiris empfangen … es war eine unbefleckte Empfängnis … Seth verstreute die 14 Körperteile des Osiris über das ganze Land, Isis sammelte alle Teile wieder ein und setzte Osiris zusammen, nur der Phallus blieb verschollen. Sie beerdigte Osiris und verwandelte sich in ein Vogelweibchen, dass über sein Grab kreiste. Zur Belohnung schenkte ihr der Vogelgott ein Kind von Osiris … Isis ward Mutter ohne Geschlechtsakt …
Überall tragen die Frauen schwarz! Fast immer sind sie von oben bis unten in diese Unmengen von Stoffbahnen gehüllt, man sieht kein Haar, kein Kinn, selten ein buntes Tuch, manchmal sogar die Burka … wie unerträglich heiß muss es sein unter all diesem Gewand, wie sehr sind Bewegungen eingeschränkt? … Fatí sagt nicht ohne stolz in der Stimme: „schwarz und verhüllt bedeutet Keuschheit.“ … Es befremdet mich … egal welche Religion und welche Gesellschaft … Frauen werden nach ihrer Keuschheit beurteilt? … Keinen Mann auf der Welt geht das was an … er hat die Hingabe einer Frau als Geschenk zu betrachten … diese Gesichter, verhärmt, abgearbeitet, freudlos … es stößt mich ab … ich bin nicht tolerant!
Unser Busfahrer fährt wie er will … Ampeln sind hier scheint´s Dekoration … er sucht sich seine Fahrbahn aus, je nachdem wo es besser weiter geht … Gegenverkehr weicht gelassen aus … das ist wohl so üblich hier.
In der nubischen Parfümfabrik ein Vermögen ausgegeben … schwer und sinnliche Öle … mit einem zwinkernden Auge: gewonnen wie zu pharaonischen Zeiten. Im Horustempel gab es ein Laboratorium … die Hieroglyphen zeigen noch heute wie die Essenzen gewonnen wurden.
Gehandelt und weiße Baumwollhemden erstanden … war so verwirrt, dass ich dem Händler 10 Pfund mehr gegeben habe als er eigentlich von mir wollte … ich muss über mich selber grinsen … dumme, dumme Europäerin.
Auf dem Schiff, im Musikzimmer, Wasser tropft durch die Decke mitten auf die Tanzfläche … ich beobachte wie sich langsam eine Pfütze bildet … Wasser ist hier verdammt kostbar.
Wir wollten eigentlich alleine in den Bazar von Assuan gehen … jetzt hat uns der Mut verlassen … auf dem Nil bin ich Gast … auf dem Boden Afrikas eine Fremde. Ich wünschte wir hätte unseren persönlichen Führer … jemanden der uns die Schönheiten des heutigen Ägypten zeigt, der sich Zeit nimmt für unser Begreifen.
Wenn ich wiederkomme …
Ich empfinde Hochachtung vor den Menschen aus allen Herrenländer, die zu uns nach Deutschland kommen und versuchen sich zurecht zu finden …
Eine Felluke zieht am Bug vorbei … bin immer noch allein im Musikzimmer, bis auf Lilo den Kellner und zwei Kollegen …
Der Staudamm ist ein gewaltiger Industriebau … ziemlich sozialistisch … und bewacht von Militär. Der Nil fließt nicht mehr wie er will … man hat ihn gebändigt. Doch Gott Hapi wehrt sich bereits. Der Nil ist nicht mehr schiffbar ab Quena, zuviel Schlamm und Geröll, es ist nur eine Frage der Zeit bis das Delta versandet … dann wird Hapi sich seinen Fluss mit Gewalt zurück holen … Fatí sagt die ägyptische Regierung ist zu faul etwas zu tun … ich behaupte, das ist die ganze Welt.
Wir sind nur 68 Passagiere auf der „Egelika“… 100 Männer Personal … hier arbeiten keine Frauen … ich fühle mich manchmal beobachtet, weiß nicht so recht wie ich mich verhalten soll … alle sind hier an Frauen aus dem Westen gewöhnt … trotzdem, ich würde gerne einen Weg finden diese Kultur zu verstehen … ich fühle mich allein gelassen.
Wir genießen das kühle Wasser im Pool, während die Sonne rote Schatten auf die Gipfel der Sandsteinberge wirft …


Reisetagebuch 21.09.2006

Wir haben den Vormittag auf dem Sonnendeck verbracht … der Luxortempel ist unserem Bedürfnis nach Ruhe und Faulenzen zum Opfer gefallen … das ganze Schiff duftet nach Kreuzkümmel ... während des Aufenthaltes in Luxor großes Glück gehabt, denn der Blick auf den Nil blieb frei, es dockte kein weiteres Schiff an.
Wir kreuzen wieder, das letzte mal, von Quena aus geht es mit dem Bus weiter … mir steigen Tränen in die Augen.
Militär ist zugestiegen und hat sich auf dem Sonnendeck hinter einem Metallschild postiert … die Jungs schwitzten in der sengenden Sonne … es ist Ramadan, sie essen und trinken den ganzen Tag nichts, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ... wozu soll das gut sein? Fremder kann ich nicht sein!
Einer der Soldaten bittet mich um Feuer für seine Zigarette ... ich schenke ihm das Feuerzeug ... ich habe ihm den Ramadan offensichtlich erträglicher gemacht.
Was denken die beiden jungen Männer wenn sie das ganze europäische Frauenfleisch auf dem Sonnendeck beobachten? Es sind Muslime die darüber nachdenken ... ist das erotisch? erregend? oder abstoßend? beängstigent?
Wenn ich uns Frauen so betrachte wirken wir sicher überaus barbarisch in unserer ausladenden, gealterten Fülle ... statt den Bauch einzuziehen zünde ich mir eine Zigarette an ... dass bringt wahrlich Erleichterung ...
Diese ägyptischen Farben sind zauberhaft in der flirrenden Hitze … Onyx, Malachit, Bernstein und Lapislazuli … die Konturen wie in Stein gemeißelt, den Hieroglyphen gleich … in der Ferne blöken Esel, unterbrochen von dem Geknatter eines Mopeds … mit geschlossenen Augen erkenne ich die Städte am Ufer … hupen, hupen, hupen...
Den „nubischen Abend“ haben wir ausfallen lassen, Gott sei dank auch die „ägyptische Party“ – man musste Kartoffeln zwischen den Beinen balancieren … diese Geschmacklosigkeit kann unmöglich von den Ägyptern stammen …
Vorgestern, 4 Uhr morgens, der Konvoi nach Abu Simbel startet … die Augen brennen vor Müdigkeit und die Wärme klebt im Kreuz ... kurz vor dem Sudan – die Grenze ist bis auf den Übergang Assuan / Wadi Halfa geschlossen, und nur auf dem Luftweg oder über den Nasser-Stausee ist es möglich sie zu überqueren. Es gibt dort Minenfelder!
Abu Simbel, der Anblick verschlägt mir die Sprache, ich bin ziemlich aufgeregt … ob nun Größenwahn, Machtpolitik oder einfach nur ein Bauwerk für den letzten Militärposten, Ramses II hinterließ eine kolossale Tempelanlage … 3306 Jahre alt.
Die ersten farbigen Wandgemälde gesehen … unbeschreiblich … alle Farben Ägyptens, dazu Karmin und Lotus … die Bilder sind so detailliert und herrlich … ich erkenne die Falten in den durchscheinenden Gewändern, die Muster auf den Streitwagen, die Fingernägel von Nefertari „die Schönste der Schönen“ …
Wie versprochen, auf der Rückfahrt die Fatahmorgana … die Wüste verwandelt sich in einen unendlichen See … fasziniert starre ich aus dem Busfenster … und schlafe langsam ein.
14 Uhr Botanischer Garten … phantastisch die Pflanzen … unerträglich die Hitze … wir gleiten in der Felluke zurück zum Schiff … der Wind streichelt sanft meinen Körper … meine Haut trinkt die frische Brise.
Der Nil plätschert sanft … seidig glänzt sein Haar, die Hitze schimmert auf seinem Gesicht … wir werden den Fluss vermissen …


Reisetagebuch 22.09.2006

Der hübsche kleine Chnum Tempel - ich bin alleine hier! - ganz alleine!! - ich bin die einzige Touristen.Das ist Magie … in der Säulenhalle umfängt mich ein Hauch Mystik, und ich lächle in die Steine ...
komm Göttin, komm mich besuchen ... Der Bauchtanz am Abend war billig und gewöhnlich und gestresst … wer weiß wie oft die Russin heute noch tanzt? Die Variante auf High Heels!
Die Landschaft Richtung Quena verändert sich merklich, sie wird fruchtbarer … Kinder toben vergnügt im Wasser, Frauen waschen Wäsche, spülen Geschirr, Männer trinken aus Kalebassen, die Dieselmotoren der Bewässerungssysteme knattern … der Nil ist eine einzige Kloake, sagt Fatí …
Ich schäme mich, die Landbevölkerung vom Schiff aus zu fotografieren … neugierig und heimlich bestaune ich sie in ihren langen Galabeyas bei der harten Feldarbeit, zwischen ihrem Vieh … ich werde zum Voyeur und fotografiere natürlich.
Ein gewaltiges Gebirge vor uns … die Städte wirken hier wenigstens von weitem nicht so verdammt arm … betörendes Licht in der heißen Sonne … friedliche Ruhe … wir trinken Bier, serviert in silbernen Sektkühlern, in einem Bett aus Eiswürfeln .. Oh ja, genießen kann man lernen.


Reisetagebuch 23.09.2006

Gräber von Ramses dem II., dem IX. und dem III. gesehen. Hier haben sich die Farben in ihrer ganzen Pracht und in allen Einzelheiten erhalten … Zeugnis … die Künstler verschollen in den Weiten der Zeit … Ehrfurcht … die Götter berühren mich, vielleicht ...
Draußen, in dieser gottverlassenen, touristenschwangeren Hitze kämpfen wir um einen schattigen Platz … Wasser „Baraka“: viel Glück!
Hatschepsut´s Terrassentempel … ein luftiger Innenhof vor dem Allerheiligsten Seufzen vor Erleichterung und Freude ... die Göttin Hathor schenkt ihr leisesLächeln … Mona Lisa lächelte erst hunderte von Jahren später ...


Reisetagebuch 24.09.2006

Später Nachmittag … wir unternehmen einen Kamelritt … ich habe zu tun mich auf „Rambo“ zu halten. Achmeds große, braunen Augen beruhigen mich, seine dunkle Stimme redet leise auf das Tier ein. Unser Weg führt uns durch das abgelegene Luxor West und ein nahes Dorf …
Wie überall auch ist nur die Hauptstraße geteert, sonst schlängelt sich Sand und Schlamm, der bis zu den Haustüren reicht, durch die engen Pfade … Frauen fegen … ich luge in die Behausungen … die blanken Lehmziegel, eine zerschundene Sitzbank, ein verblasster Teppich auf dem Lehmboden, ein laufender Fernseher … man kann hindurchsehen, auf einen kleinen Innenhof oder eine lichte Treppe, die Dächer sind offen, wie Nadeln stechen die blanken Eisenverstrebungen in die Höhe … barfüßige Frauen und Männer kauern auf dem blanken Boden vor ihren Häusern, bedenken uns mit gelangweilten Blicken … manche lächeln … sie sind dieses Schauspiel gewohnt, jeden Tag reiten gaffende Touristen durch ihr Dorf … die Kinder winken noch …
Satte Mais- und Zuckerrohrplantagen, Zitronen-, Mango- und Dattelbäume … dahinter ein kolossaler Sonnuntergang, begleitet von einem opulenten Vogelkonzert …
„Rambo“ hat sich an mich gewöhnt und verfällt in einen lockeren Trab … hilfesuchend halte ich nach Achmed Ausschau … er flüstert dem Kamel etwas zu und das Tier geht wieder gemächlich … stolz schaukle ich durch Ägypten.
Später zermalmt „Rambo“ zufrieden sein Futter … melancholische, schwarze Augen blicken mich ruhig an … das Kamel drückt seinen Schädel genussvoll an meinen Oberschenkel als ich es hinter den Ohren kraule … passt ein Kamel in unseren Garten?
Auf dem Oberdeck bei Gin-Tonic … angenehmes Gemurmel von zufriedenen Gästen … in der Dunkelheit glitzert der Nil silbern.
ein Mann erzählt mir, er glaube diese Menschen hätten zwar nichts seien sehr arm, aber trotzdem sehen sie glücklich aus und seien offensichtlich zufrieden, ganz im Gegensatz zu uns Deutschen, wir seien ja mit nichts zufrieden, wir sollten uns ein Beispiel nehmen!
Ich werde still, lasse diesen Touristen plappern … die Menschen in Ägypten, ich bin überzeugt sie wissen um ihre Armut, sie haben einfach keine Chance, keine Bildung, keine Arbeit, dafür viel Religion, bunte Bilder im Fernsehen, Zensur und Diktatur … ich habe auch schon glücklich dreinschauende Penner in Deutschlands Städten gesehen … dieses Klima verleitet zu einer selbstgefälligen Kolonialarroganz.