Von Cornelia Rother, 2008

An Anglizismen haben wir uns nun schon so sehr gewöhnt, dass wir sie als urdeutsche Worte empfinden. Französisches wurde zuletzt von der aktuellen Rechtschreibreform so eingedeutscht, dass wir nun endlich auch `Portmonee´ schreiben können. Aber wissen wir, dass wir eine „persische“ Tasse (tast) füllen, „persischen“ Spinat (ispanag) essen, und das Wort Tulpe nicht aus dem Niederländischen stammt, sondern ebenfalls aus dem Persischen: tülbant, bedeutet Turban.

Und unser Freudenruf „Hurra“ stammt aus dem Türkischen. Bei kriegerischen Angriffen spornten sich die türkischen Soldaten mit dem Rufe: "Vurha" an. Im Türkischen heißt das "Schlag! Los!". Die Deutschen, die kein Türkisch konnten, verstanden "Hurra", was auch heute noch als Siegesruf Freudengeschrei gilt.

Das Wort „Band“ für eine Musikgruppe stammt nicht, wie man meinen könnte, aus dem Englischen. Als im Wien des 18. Jahrhunderts eine Janitscharenkapelle (Janitscharen = türkische Soldaten) gefangen wurde, bezeichnete die Wiener Gesellschaft diese Gruppe wenig schmeichelhaft als Banda oder Bande. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts entwickelte sich daraus die "Band", z.B. Jazzband, Bigband.

Und der von uns schon als Kinder geliebte Gugelhupf ist keine deutsche Erfindung. Das Zuckergebäck in Form eines türkischen Turbans wurde erstmals schriftlich 1396 erwähnt, natürlich als türkische Spezialität.

Lange vor dem Einzug des Döner in die deutsche Umgangssprache haben sich zwei Wörter aus dem Türkischen eingebürgert, die aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind: Jogurt: von yoğurt und Kiosk: von köşk (sprich: köschk)

Schließlich bedeutet der bayerische Fluch „Kruzitürken“ nicht etwa, dass Türken gekreuzigt werden sollen. "Kruzi" geht zurück auf die Kuruzen. So wurden ursprünglich die Kreuzzugteilnehmer im Königreich Ungarn genannt, später wandelte sich die Bedeutung über Aufständische hin zu Räuber und Banditen. Im 18. Jahrhundert wurden Aufständische in den antihabsburgischen Kriegen als Kuruzen bezeichnet. Die Aufständischen unterstützten die Türken, und der Ruf "Die Kuruzen und die Türken kommen" wurde irgendwann zum Fluch "Kruzitürken!".

Worte, die aus dem Orient zu uns gekommen sind:

Gummi
Lilie
Natron (ntrj)
Oase (Oasis)
Pyramide...

Admiral (amir/emir),
Alegebra
Alkohol (al-kuhl),
Amulett
Artischocke
Baldachin (Betthimmel, Thronhimmel, Prachthimmel)
Damast (einfarbiger Stoff)
Diwan (eigentlich: Amtszimmer; aber auch Sofa; Sammlung von Gedichten und Schriften)
Ebenholz,
Elixier (Heiltrank, Zaubertrank)
Gala (ursprünglich: Festgewand)
Giraffe (grafa),
Gitarre
Havarie (Schiffsschaden)
Intarsia / Intarsien (Einlegearbeiten in: Türen, Möbeln etc.)
Jacke (Im 15. Jh. war damit noch ein wattierter Waffenrock, ein Panzer gemeint),
Jasmin (jasamin: Ölbaumgewächs (mit stark duftenden Blüten)),
Kabel (habl),
Kaffee (qahwa: ursprünglich der Begriff (im arab. Raum) für Wein, erst später der Begriff für Kaffee
Kaliber (qalib: Schusterleisten; innerer Durchmesser von Rohren etc.),
Karaffe (garrafa: Schöpfgerät; Flasche),
Kittel (qutun),
Koffer (quffa: Flechtkorb),
Kümmel (kammun),
Kuppel (qubba: Kuppel, auch: kleines Nebenzimmer),
Lack (lakk),
Lava (laba),
Lila (lilak: Flieder),
Limone (limun: Zitrone),
Magazin (mahazin),
Maske (mashara; wohl: "Verspotttung, Possenreißer"),
massieren (massa),
Matraze (matrah; wohl "Ort auf den etwas geworfen oder gelegt wird", z.B.: Bodenkissen),
matt (mat: ermattet, erschlagen) (Schachspiel!)
Mokka (moha: starker Kaffee) Siehe: Kaffee
Monsun (mausim: Jahreszeit)
Moschee (masgid: Gebetshaus)
Mumie (mumiya: einbalsamierter Leichnam)
Rasse (ras: "Kopf, Ursprung"),
Razzia (gazwa: "Kriegszug, militärische Expedition"),
Risiko (rizq: ""),
Safran (safaran: "Krokusart (Farb- und Gewürzmittel)"),
Schachmatt (sah mata: "Der König ist gestorben") (Im Schachspiel: Der König ist besiegt),
Sirup (sarab: "Trank"),
Soda (suwwad: "Natriumsalz, Sodawasser"),
Sofa (suffa: "Ruhebank"),
Talisman (tilasm: "Zauberbild, glücksbringender Gegenstand"),
Tarif (ta'rif: "Bekanntmachung"),
Tasse (tasa: "Becher mit Henkel für Tee und Kaffee"),
Watte (batan: "Unterfutter"),
Zenit (: der dem Nadir (Fußpunkt) entgegenstehende Himmelspunkt),
Ziffer (sifr: "Null")...
Zucker (sukkar: "")

Bungalow (bangla = "Haus aus Bengalen"; wohl die Bezeichnung für die von Europäern bewohnten einfachen, einstöckigen Häuser),
Dschungel (jangal = "Wildnis"),
Kuli (Name eines westindischen Volksstammes. Die Menschen dort ließen sich oft als Leiharbeiter anwerben),
Punsch (panc = "fünf". Man braucht halt 5 Bestandteile für einen zünftigen Punsch: Arrak, Zucker, Zitronensaft, Wasser (oder auch Tee), Gewürz).
Pyjama (pajama = "Beinkleid")

Balsam (bosem = "Balsamstaude, Wohlgeruch"),
Mammon (mamona = "Besitz, Habe"),
Pleite (peletä = "Flucht, Rettung"),
Satan (satan = "Widersacher, böser Engel, Feind"),
Stuß (setut = "Narrheit, Unsinn")

Basar (bazar),
Karawane (karawan),
Kaviar (havyar),
Orange (narang),
Schach,
Schal (sal),
Schabracke (tschaprak) eine Pferdedecke, unter oder auch über dem Sattel genutzt); heutige Bedeutung in unseren Gefilden: eine häßliche, ungepflegte alte Frau, meist auch ohne Manieren.
Spinat (ispanag),
Tasse (tast),
Tulpe (tülbant = "Turban")

Quellen

Universität Oldenburg- Wissensportal - Radio Deutsche Welle - Kandil Online Journal - Wikipedia.
Mehr Wörter, die aus dem Arabischen stammen, finden Sie in diesem Buch: Wörter arabischer Herkunft, Kleines Lexikon deutscher Wörter arabischer Herkunft. Nabil Osman.